Was ist das Besondere
Das Besondere unseres Gartens ist seine Geschichte.
Was ist das Besondere
Das Besondere unseres Gartens ist seine Geschichte.
Unterlagen des Katasteramtes weisen darauf hin, dass der Grundbesitz auf die Fürstenfamilie Schönburg-Waldenburg zurückgeht. Vermutlich aufgrund des Reichssiedlungsgesetzes konnte um das Jahr 1935 ein ca. 1ha großes Flurstück von einer ortsansässigen Familie erworben werden und wurde als Kleinsiedlerstelle genutzt.
Im Zuge der Bodenreform wurde das Flurstück geteilt: Einen Teil bewirtschaftete der Vater, den anderen Teil sein Sohn. Nachdem der Vater Anfang der 1960er Jahre verstorben war, ging dessen Teil an seine Witwe über. Auch das Flurstück des Sohnes ging an sie über, da dieser in den Westen Deutschlands übergesiedelt war. Schließlich beantragte auch sie in den 1970er Jahren die legale Ausreise zu ihrem Sohn. Zurück blieb die langjährige Freundin der Familie, die – selbst kinderlos – bei der ortsansässigen LPG ihr Auskommen hatte. In diesem Zusammenhang wurde das Grundstück von einer in Belgershain ansässigen Familie übernommen, die durch die jahrelange Bekanntschaft mit den beiden alten Damen, einen engen Bezug dazu hatte.
Viele der vorgefundenen Artefakte zeigen, wie das Leben auf dem „Selbstversorgerhof“, der noch bis Anfang der 1990er bewohnt wurde, aussah.
Eine weitere Besonderheit ist, wie ein verwildertes und vermülltes Grundstück wieder zu einer Oase für Mensch, Tiere und Pflanzen erweckt wurde.
Schließlich übernahmen wir 2009 das Grundstück, welches aus den beiden Flurstücken, die aus der Bodenreform resultieren, besteht. Aufgrund der Anlage des Grundstückes (Verteilung der Gebäude, Fläche für Obstbäume, Steingarten, Brunnen etc.) kann man erkennen, dass es sich ursprünglich um ein zusammenhängendes Grundstück gehandelt hat.
Als wir das Grundstück übernahmen, war die ursprüngliche Anlage von Wildwuchs überwuchert, sodass wir manch einen Obstbaum erst nach Jahren entdeckt haben. Die baulichen Anlagen waren in einem erbärmlichen Zustand, manches war bereits eingefallen. Nicht zuletzt wurde aufgrund der freien Zugänglichkeit das Grundstück als illegale Müllablagerung benutzt. Auch manche „DDR-Relikte“, wie gelagerte Asbestplatten und Teerbahnen, verunstalteten das Terrain und mussten sachgemäß entsorgt werden.
Inzwischen hat sich viel getan. Manche, die das Grundstück noch aus früheren Zeiten kennen, sind erstaunt und erfreut darüber, was wir geschafft haben. Interessierten und offenen Menschen zeigen wir gern das Grundstück sowie die noch verbliebenen „Reste der Geschichte“. Dadurch erfahren auch wir immer wieder Neues über den Ort, das Grundstück und die zwei „genügsamen, alten Damen“, die dort lange Zeit lebten.
Happyend or not ?
Seitdem wir das Gartengrundstück erworben haben, haben wir viel dazugelernt, z.B. wie man ein verwildertes Grundstück wieder urbar macht (wir haben wirklich eigenhändig jeden qm umgewühlt und kennen dadurch dieses Stück Land in- und auswendig), aber auch über Pflanzen, Obst- und Gemüseanbau, über Vögel, Käfer und Bienen… Aber auch von und über andere Menschen, mit denen wir durch unser Gartenprojekt Kontakt hatten und haben, konnten wir viel lernen: Das ganze Spektrum menschlicher Eigenarten und Charakterzüge sind uns aufgrund der Problemlage begegnet: von Empathie, Interesse, Offenheit und Verständnis bis hin zu funktionaler Kälte, Engstirnigkeit, Unehrlichkeit etc.
Der Garten ist für uns zum praktischen Lehrmeister des Lebens geworden, Er ist zum Brennspiegel für den gegenwärtigen Zustand nicht nur dieses Ortes, sondern weit darüber hinaus geworden.
Sind wir also gespannt und hoffen wir das Beste….